Die Geschichte und Kultur der Oglala - Lakota

 

"We are Lakota. We are not Cowboys, we are Horsemen! "

Mel Verdell Lone Hill

 

Mel Verdell Lone Hill

(08. September 1948 bis 20. Februar 2018)

 

Die Geschichte der Oglala-Lakota

Vor der Besiedelung des Westens bewohnten die Oglala - Lakota zusammen mit anderen Stämmen wie den Cheyenne, ein  Gebiet, welches sich von den Great Plains nördlich des Platte Rivers (heutiges Nord- und Süd Dakota) bis hin zu den Big Horn Mountains im Westen erstreckte.

Mit der beginnenden Besiedelung des Westens der USA entstanden im Gebiet der Lakota die ersten Handelsposten und Fort Williams wurde erbaut. Auch hier gab es einen regen Handel mit den Indianern. Später wurde das Fort von den USA  zu einem Militärstützpunkt ausgebaut und in Fort Laramie umbenannt.

Doch durch den größer werdenden Strom der weißen Siedler wurde das traditionelle Leben der Indianer  immer mehr gestört. Das Wild wurde vertrieben und die überlebenswichtigen Bisons wurden getötet. Ihnen wurde Land mit falschen Versprechungen abgekauft und es wurden Grenzen abgesteckt. Mit den weißen Siedlern kam auch eine für die Indianer völlig neue Auffassung vom Leben. Die Folgen waren Missverständnisse und oft große Ignoranz gegenüber der anderen Seite. Zusammenstöße zwischen  Indianern und Siedlern wurden häufiger und immer gewaltsamer. Die US-Regierung sandte daraufhin mehr Truppen in das Gebiet, um für Recht und Ordnung zu sorgen.

Doch auch auf Seiten des Militärs gab es kaum Toleranz gegenüber der Lebensweise der Indianer.

All diese Ereignisse führten letzendlich zum sogenannten "Red Cloud" Krieg (Red Cloud war einer der Anführer der Oglala - Lakota) in den Jahren 1866-1868. Beendet wurde der Krieg am 29. April 1868 mit einem Friedensvertrag zwischen Red Cloud, seinen Verbündeten und der US-Regierung. Die Verhandlungen fanden in Fort Laramie statt.

Durch den Friedensvertrag erhielten die Stämme der Plains u.a. das Land rund um die Heiligen Black Hills zur uneingeschränkten Nutzung. Red Cloud erhoffte sich dadurch die Erhaltung der Jagdgründe und den Schutz der traditionellen Lebensweise.

Der Vertrag wurde mit der Heiligen Pfeife besiegelt und für die Indianer galt: Wenn ein Vertrag mit der Heiligen Pfeife besiegelt wird, dann ist er unkündbar. (Heute ist diese Heilige Pfeife im Besitz von Red Clouds Ur-Ur- Enkel Wendell W. Yellow Bull.).

 

 

 

Doch die Ausdehnung nach Westen wurde nicht gestoppt.

Und dann wurde Gold in den Black Hills gefunden. Das Land wurde von Goldsuchern überschwemmt. Die US-Regierung forderte Teile des Landes zurück und die US-Armee musste erneut eingreifen, als die Indianer versuchten, ihre Rechte zu verteidigen. Trauriger Höhepunkt dieser neuen Auseinandersetzungen war am 25. Juni 1876 die Schlacht am Little Big Horn, als die vereinigten Stämme der Plains die 7. Kavallerie von General Custer vernichtend schlugen. 

Mit diesem Sieg besiegelten die Stämme der Plains jedoch ihren Untergang. Die US-Regierung ging jetzt mit aller Härte gegen die feindlichen Indianer vor. Ihnen wurde die Lebensgrundlage durch die systematische Tötung der Bisons entzogen, Und sie wurden massiv verfolgt, u.a. um die Verantwortlichen der Schlacht zu suchen. So gaben immer mehr Stämme dem Druck und der ständigen Verfolgung nach und gingen in die von der US-Regierung eingerichteten Reservationen. Wer nicht freiwillig kam, wurde gewaltsam in die Reservation gebracht.

Unter ihnen auch der große Anführer der Oglala - Lakota Crazy Horse, welcher am 5. September 1977 in Fort Robinson ermordet wurde.

In dieser Zeit begannen einige der Indianer den Geistertanz zu tanzen. Wovoka, vom Stamm der Paiute, hatte die Vision, dass sie alle den Geistertanz tanzen sollten. Dann würden die Weißen vertrieben werden, die Büffel würden zurückkehren und mit ihnen alle getöteten Indianer. Während des Tanzes trugen die Indianer ein Geistertanzhemd, welches gegen die Waffen der Weißen unverwundbar machen sollte.

Mit Sorge wurde die neue Bewegung beobachtet. Die Agenten der Regierung fühlten sich bedroht und der Geistertanz wurde verboten. Aber immer mehr Indianer schlossen sich dem Geistertanz an. Erneut griff die US-Armee in das Geschehen ein. Zudem galt Sitting Bull, welcher in der Standing Rock Reservation lebte, weiterhin als Unruhestifter. Er war unter den Stämmen der Plains immer noch hoch angesehen, er hielt an der traditionellen Lebensweise fest und übte Kritik an der US-Regierung und ihrem Umgang mit den Indianern.

All dies war Grund genug für die US-Regierung, um Sitting Bull verhaften zu lassen. Doch während seiner Verhaftung am 15. Dezember 1890 wurde er ermordet.

Der Tod Sitting Bulls war ein schwerer Schock für die Lakota und sie befürchteten Schlimmeres. Deshalb flohen viele von ihnen aus der Standing Rock Reservation. Sie wollten zur Pine Ridge Indianer Reservation, wo Red Cloud, der letzte große Häuptling mit seinem Stamm lebte. Von ihm erhofften sich viele Indianer wieder mehr Schutz. Auch Spotted Elk, bekannt unter dem Namen Big Foot, beschloss mit seinen Leuten nach Pine Ridge zu gehen.

Doch die US-Armee fürchtete einen Aufstand der Indianer und erklärte alle Indianer außerhalb einer Reservation zu Feinden. Die 7. Kavallerie konnte Spottet Elk umzingeln und brachte ihn und seine Leute, an die 300 Menschen, vor allem Frauen, Kinder und Alte, zu Wounded Knee. Während der Entwaffnung der Indianer fiel ein Schuss und die US-Armee eröffnete das Feuer auf die umzingelten und hilflosen Indianer. Die meisten starben direkt bei der Schießerei, unter ihnen auch Spotted Elk. Einige versuchten zu fliehen, doch auch auf sie wurde geschossen. Viele der Verwundeten erfroren kurze Zeit später im Schnee.

Nur wenige überlebten. Sie wurden nach Pine Ridge gebracht.

Dies geschah am 29. Dezember 1890.

Die Hilflosigkeit, die die letzten Indianer daraufhin erfasste ist bis heute zu spüren.

Doch die Ausrottung der Kultur und Lebensweise durch die US-Regierung wurde auch auf andere Weise vorangetrieben. Die Regierung begann, die Kinder und Jugendlichen der Indianer zu amerikanisieren. So wurden sie auf sogenannte Boarding Schools, weit weg von ihren Familien, geschickt. Hier lernten sie Englisch, hier lernten sie sich westlich zu kleiden. Es wurde ihnen verboten, ihre Sprache zu sprechen und ihre Kultur zu leben. Die Jungen mussten sich die Haare abschneiden.

Diese Kinder verloren ihre Identidät. Viele kehrten zu ihren Familien zurück. Doch wer waren sie jetzt? Die Sprache hatten sie verlernt, die alten Bräuche kannten sie nicht mehr. Die Integration in ihr Volk war für viele der zurückgekehrten jungen Erwachsenen sehr schwer. Sie waren keine richtigen Indianer mehr, aber richtige Weiße waren sie auch nicht.